Maskenpflicht, Abstandhalten: Wie ist es, während einer Pandemie zu reisen? 

  4 Minuten     Spanien

Betty

„Was Reisen für mich so besonders macht? Nicht nur die schönen Orte dieser Welt, sondern vor allem die Menschen, die dort leben und die spannendsten & bewegendsten Geschichten auf Lager haben."

Betty, FairAway Redaktion

Betty Wilde arbeitet als Content Manager bei Fairaway

 


 

Reisen in Zeiten von Corona – wie sieht das aus?

Entspannt reisen während Corona
Kann man während Corona entspannt reisen? Unsere Autorin sagt: Ja!

Reisen trotz Corona: Holpriger Auftakt?

30. November 2020, 6:25, Berlin BER. Gähnende Leere am neu eröffneten Berliner Flughafen. Ein Fahrer vom Mobility Service dreht seine Runden und lädt vor lauter Langeweile ein paar reisefreudige und sehr rüstige Rentner auf, um sie zum Gate zu fahren. Und sammelt dann noch ein paar andere Leute ein, sodass am Ende garantiert mehr als zwei Haushalte ohne Abstand auf dem Wägelchen sitzen. Und ich frage mich: Was mache ich hier eigentlich?

Leere Flughäfen wegen Corona
Leere Flughäfen, ein seltsamer Anblick

Wie alles begann

Eine Woche vorher. Es ist viel zu kalt und grau, wir sind „Lockdown light“, Corona-Leugner schwirren auf den Straßen rum, die Zahlen sinken einfach nicht. Ich habe vor Ewigkeiten die erste Dezemberwoche als Urlaubswoche geplant, und so langsam keimt der Wunsch, das alles hinter mir zu lassen – einfach weg, in die Wärme, zehn Tage lang die Natur genießen, mal wieder eine gewisse Leichtigkeit zu verspüren, vielleicht sogar ein kaltes Getränk in einer Bar nehmen. Je näher der erste Urlaubstag rückt, desto größer wird dieser Wunsch. So groß, dass wir uns drei Tage vorher in einem verrückten Moment entscheiden: Wir machen es einfach.

Reisen während Corona: Die Weite der Natur genießen
Die Sehnsucht nach Sonne hat gesiegt

Die 1. „Hürde“: der Test

Für die Einreise brauchen wir einen negativen Covid-Test. Das schreckt vielleicht viele ab, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es ist kein großer Aufwand und sorgt für ein viel besseres Gefühl, wenn man weiß, dass jeder (!) im Flugzeug in den letzten 72 Stunden negativ getestet wurde. Wir gehen zum Testen in das eigens dafür errichtete Test-Center im BER und sind beeindruckt: Wir warten keine zehn Sekunden und sind dank der Voranmeldung und digitalen Verarbeitung der Daten innerhalb von drei Minuten wieder draußen. Nach 24 Stunden kommt das Ergebnis: Negativ! Jetzt noch schnell das Einreiseformular ausfüllen, den QR Code für die Einreise bekommen, packen und los geht es.

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Corona Test
Ein Corona Test ist Pflicht für eine verantwortungsvollen Einreise – und geht ganz schnell.

Am Flughafen & im Flugzeug

Das Erlebnis mit dem Mobility Service ist ein bisschen merkwürdig, aber das bleibt tatsächlich das einzige. Ansonsten empfinden wir es als sehr angenehm am Flughafen – die Sicherheitsleute geben uns ein freundliches „Viel Spaß in der Sonne, bleiben Sie gesund“ mit auf den Weg, man kann jederzeit Abstand halten und alle tragen brav ihre Masken. Im Flugzeug sind längst nicht alle Plätze belegt, die Crew ist sehr aufmerksam. Man merkt, wie gerne die Flugbegleiter*innen ihren Job machen und wie sehr sie sich freuen, dass es wieder losgeht. Das Tragen der Maske ist für mich persönlich alltäglich geworden und stört überhaupt nicht mehr, zumal die Luft an Bord frisch ist. Am Ende fühlt es sich an wie jeder andere Flug auch. Was wohl auch allen anderen Passagieren so geht, denn nach der Landung passiert der Klassiker: Der Flugbegleiter sagt durch, dass eine Reihe nach der anderen aussteigen soll – und was passiert? Natürlich springen wieder 80 Prozent der Leute aus allen Reihen auf, sobald das Flugzeug steht. Manche Dinge ändern sich nie. Die Flugbegleiterin löst die Situation mit einem charmanten „So, jetzt machen wir das nochmal so, wie wir das gerade besprochen haben“ auf, und siehe da, es funktioniert. Nur fünf Minuten später dürfen wir unsere Nase in die Sonne strecken. Wie gut das tut!

Sicher reisen trotz Corona: So geht es

Fliegen mit Maske
Fliegen zu Corona Zeiten: Aber bitte mit Maske!
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Einreise & Ankommen

Am Flughafen geht das entspannte Gefühl in die nächste Runde. Die Einreiseformalitäten werden gründlich, aber effizient erledigt: Code checken, Test checken, Fieber messen, alles mit Abstand, und raus. Am Mietwagen-Schalter müssen wir keine Sekunde anstehen, da sich durch die wenigen ankommenden Flüge alles entzerrt. Auch hier begegnet uns pure Freundlichkeit und keiner wird ungeduldig, obwohl wir kurz Probleme mit unsere Kreditkarte haben. Problem gelöst, ruckzuck sind wir auf dem Weg zu unserem ersten Appartement und lassen. Kurzer Zwischenstopp am Meer. Sonne auf der Haut. Ein laues Lüftchen. Durchatmen. 

 

Durchatmen in der Krise
Einmal tief durchatmen: Geschafft!

Vor Ort

Was jetzt kommt, kann ich zusammenfassen in: Zehn Tage voller Entspannung und Genuss. Ich hätte selber gar nicht gedacht, dass ich Urlaub in dieser Zeit so genießen kann, aber es fühlt sich einfach sehr erleichternd an. Das fällt mir positiv auf:
 

  • Die Menschen sind unheimlich konsequent, was das Tragen der Maske betrifft. Es herrscht auch draußen die Maskenpflicht – außer am Strand und in der freien Natur, sofern der Abstand eingehalten werden kann –, aber wiederum stört das überhaupt nicht, sondern gibt einem eher ein gutes Gefühl. Denn die Leute ziehen es durch, man merkt, dass sie die Situation ernst nehmen. Selbst wenn sonst niemand auf der Straße ist, selbst wenn sie alleine im Auto sitzen. Ich bin beeindruckt.
     
  • Sogar in Restaurants am Tisch tragen die Menschen ihre Masken, bis die Getränke kommen – so die Regel, und auch hier halten sich alle daran. Man spürt insgesamt eine große Solidarität. Vielleicht auch, weil es das Land so viel stärker erwischt hat als Deutschland bisher und jeder irgendeine Geschichte aus dem Freundes- oder Familienkreis kennt? Es ist auf jeden Fall schön zu sehen.
     
  • Überall ist wenig los. Wir treffen fast nur Locals, sehr wenige Touristen. An unsere 1. Stopp, einem kleinen Dorf, kommen wir schnell (natürlich mit Abstand) mit Menschen ins Gespräch, die sich durchweg freuen, dass der Tourismus wieder anläuft. Laura aus der kleinen Bodeguita im Bergdorf verrät uns, dass sie nur am Wochenende aufmachen zur Zeit, weil es sich mit den Nebenkosten an den anderen Tagen einfach nicht lohnt. Trotzdem bleiben sie optimistisch und freuen sich über jeden, der kommt. Auch hier gibt es keinerlei Klagen über die Maßnahmen.
     
  • Als wir einen Ausflug zu einer beliebten Touristenattraktion machen, sind wir begeistert: Da, wo sich normalerweise unzählige Menschen tummeln, ist es einfach nur leer. Man hat genug Zeit, sich alles anzuschauen, Abstand ist kein Problem, wir lassen uns Zeit, den wunderschönen Ort auf uns wirken zu lassen – toll.
     
  • Mein persönliches Highlight: Ich sitze morgens am Strand und genieße die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Um mich herum: Ganz viele Omis und Opis, die ihr Morgenbad nahmen. Jeder kennt gefühlt jeden, es wird freudig geplaudert (natürlich – Sie ahnen es – mit Abstand und Maske). Irgendwann tauchen Rettungsschwimmer auf, bauen ihr Boot auf, grüßen freundlich in die Runde und steigen in das muntere morgendliche Geschnatter ein. Ein superschönes Erlebnis an eine Ort, der sonst um diese Jahreszeiten eher von vielen Strandliegen und Touristen geprägt ist.
     
  • Das Gefühl der Erleichterung, was ich verspüre, kann ich ganz schwer erklären oder beschreiben. Aber es fühlt sich an, als wäre eine riesige Last von mir abgefallen. 
Leere Sehenswürdigkeiten wegen Corona
Leere Touristenattraktionen sind ein positiver Nebeneffekt

Mein Fazit

Natürlich ist es anders, jetzt zu reisen: Der Trubel auf den Straßen ist deutlich weniger, es gibt teilweise Sperrstunden, insgesamt einfach hier und da Einschränkungen. Aber gleichzeitig fühlt es sich so gut an, mal rauszukommen. Die Sonne, die Wärme, die Luftveränderung, das leckere Essen, die Grillabende auf der Terrasse, die Sprache um einen herum, der Regenbogen am Morgen, die bunten Blumen, Sand unter den Füßen, die salzige Meeresluft – das alles macht einen riesigen Unterschied. Die Regeln vor Ort haben wir als überhaupt nicht störend empfunden, im Gegenteil, es hat uns ein Gefühl von Sicherheit gegeben, dass alle sich daran gehalten haben. Dazu kommt, dass viele Menschen vom Tourismus abhängig sind und sich sehr über Reisende freuen. Und last but not least: Man kann touristische Orte mal ganz anders kennenlernen. 

Für alle, die die Natur lieben, Ruhe suchen sich auf die neue Normalität einlassen können, kann ich eine Reise wirklich empfehlen. Das heißt natürlich ausdrücklich nicht, dass jetzt jeder ohne Rücksicht auf Verluste Flüge in alle Welt buchen sollte – vor allem jetzt in diesen Tagen, wo die Lage fast überall sehr kritisch ist. Aber wenn die Zahlen sinken, die Impfungen starten, die Welt sich wieder ein Stück weit offnen kann, kann es wirklich gut tun, sich eine Auszeit zu nehmen. Natürlich im Einklang mit den Empfehlungen der Auswärtigen Amtes und mit extra viel Verantwortungsbewusstsein!

Jetzt bin ich zurück in Berlin, Weihnachten steht vor der Tür, dieses Jahr ist alles anders. Eine gewisse und verständliche Schwere liegt in der Luft, und doch habe ich so viel Energie getankt, dass ich überzeugt bin: Diesen Winter schaffen wir auch noch. 

Über ein Jahr Corona – und jetzt?

Regenbogen als Zeichen der Hoffnung: Nach jeder Krise scheint wieder die Sonne
Ein Zeichen der Hoffnung