Joseann, unsere Reiseexpertin für Finnland, kam ursprünglich nur für zwei Jahre nach Finnland. Doch nun ist sie schon seit über 20 Jahren dort und plant außergewöhnliche Reisen für FairAwayer, die an Skandinavien interessiert sind. Wir haben Joseann interviewt, um herauszufinden, wieso sie sich so in Finnland verliebt hat und was dich auf deiner Reise erwartet. Im Gespräch erzählt sie von Finnlands Natur, der Sauna-Kultur und gibt Tipps für eine gelungene Reise.
Joseanns Finnland-Liebe: Wie alles begann
2003 ist Joseann nach Finnland gezogen. Es war Liebe auf den ersten Blick: „Aus zwei Jahren wurden 20“, erzählt sie lachend. „Eigentlich bin ich gelernte Diplom-Forstwirtin. Aber damals hatte ich zusätzlich einen Blog und habe so die Gelegenheit bekommen, einen Finnland Reiseführer zu verfassen. Das fand ich spannend und habe daraufhin eine Ausbildung gemacht, um Stadtführungen zu geben.“ Dort hat Joseann dann Riita kennengelernt, die eine lokale Agentur gegründet hat. Seitdem arbeiten die beiden zusammen und zeigen Menschen das authentische Finnland.
Ein Naturwunder, das begeistert
Joseann brennt für ihre Wahlheimat, das merkt man sofort. Die Diplom-Forstwirtin hat ein Faible für die unberührte Natur Finnlands. Das ist es auch, was Reisende am meisten begeistert, verrät sie. „Finnland ist eines der ursprünglichsten Länder Europas, besteht zu 70 % aus Wald, und ist wilder und geheimnisvoller als andere Reiseziele. 70.000 Elche leben hier, ganz zu schweigen von den Bären, die man mit etwas Glück beobachten kann!“ Besonders seien auch die Kontraste in den Jahreszeiten: „Wir haben wunderschöne sonnige Sommer, aber eben auch knackig-kalte Winter mit richtig viel Schnee. Deswegen empfehle ich jedem, mindestens zweimal nach Finnland zu kommen, um das Land wirklich kennenzulernen.“
Finnland Kultur zwischen Tradition und Moderne
Kontraste prägen nicht nur die Landschaft, sondern auch die Kultur Finnlands. „Auf der einen Seite haben wir eine besondere Sprache und eine reiche Mythologie, die uns von vielen anderen europäischen Ländern unterscheidet. Auf der anderen Seite sind wir ein modernes Land und gehören zu den technologischen Vorreitern Europas“. Joseann schmunzelt: „Und sympathisch und hilfsbereit sind wir auch. Eine Reisende hatte neulich ihren Pass verloren. Er wurde nicht nur gefunden, sondern ihr sogar rechtzeitig vor dem Rückflug per Post ins Ferienhaus zugestellt.“
Besondere Orte und Menschen
Auf die Frage, ob es sonst noch Erlebnisse gibt, die ihr besonders im Gedächtnis geblieben sind, lacht Joseann: „Gerade gestern habe ich Fotos bekommen von Reisenden, die vier Körbe voller Pilze aus dem Wald geschleppt haben. Wer die alle essen soll, frage ich mich.“ Generell bekommt sie viele begeisterte Nachrichten und Fotos per WhatsApp. „Die Leute sind einfach glücklich, die Schönheit des Landes und versteckten Orte mit lokalen Guides entdecken zu können. Das ist schon etwas Besonderes.“
Ruhige Lieblingsorte in Finnland
Natürlich interessiert uns auch, wo sich Joseanns Lieblingsort in Finnland befindet. Das ist für sie klar: „Überall, wo es ruhig ist. Ich bin sozusagen Spezialistin für stille Orte!“ Sie liebe zum Beispiel das Freilichtmuseum in Helsinki und Cafés in alten Holzhäusern. Aber auch den Koli Nationalpark: „Die Stimmung dort ist sehr mystisch und wenn sich im Winter die Bäume unter dem Schnee biegen, fühle ich mich sehr verbunden mit der Natur.“ Dann fällt ihr noch etwas ein: „Oh, ja: Riitas Hof natürlich!“ Ihre Kollegin hat diesen Ort eigenständig restauriert. Reisende können dort übernachten, es wird zusammen gekocht und Riita zeigt ihnen die Umgebung.
Die Sauna: Finnlands liebstes Ritual
Ein Lieblingsort fehlt noch, aber für Joseann ist er fast selbstverständlich: „Oft hören wir die Frage, ob die Unterkunft auch eine Sauna hat. Dabei gibt es quasi keine Unterkunft ohne Sauna. Auf so eine Idee würde ein finnischer Gastgeber gar nicht kommen.“ Sie selbst liebt es, in der Sauna zu entspannen und danach direkt in einen der vielen naturbelassenen Seen zu hüpfen. „Wusstest du, dass es eine halbe Million Saunas in Finnland gibt? Saunieren gehört einfach zur finnischen DNA.“ Und ist zugleich ein soziales Ritual, denn anders als bei uns wird in finnischen Saunen gerne fröhlich geschnattert und sogar gegessen.
Bewusst durch Finnland reisen
Wir kommen auf Nachhaltigkeit im Tourismus zu sprechen. „Ehrlich gesagt ist das für mich fast ein Widerspruch. Tourismus hat oft einen sehr starken Fokus auf wirtschaftliche Aspekte. Ich spreche deshalb lieber vom Reisen. Es geht um Begegnungen, Austausch und darum, ein Land wirklich kennenzulernen. Individuelles Reisen kann dabei viel bewirken.“ Heißt das, sie glaubt an die positive Wirkung des Reisens? „Ja, wenn Reisen gut organisiert ist, kann es den Blick auf Natur und Umwelt verändern. Wenn ich einmal mit einem leisen E Schneemobil statt mit einem lauten Benzinmodell durch die Landschaft gefahren bin, weiß ich den Unterschied zu schätzen und entscheide mich beim nächsten Mal vielleicht wieder bewusst dafür.“ Doch nicht nur das Erlebnis selbst macht den Unterschied: „Entscheidend sind oft die Gespräche. Es ist etwas anderes, einfach mit einem Rentierschlitten zu fahren oder sich anschließend mit dem Guide auszutauschen. So erfährst du, welche Bedeutung die Rentiere für die Menschen in Finnland haben und welche Rolle der Tourismus für ihr Leben spielt.“
So gelingt nachhaltiges Reisen in Finnland
Joseann spricht hier etwas an, das wir zu 100 % unterschreiben: Immer dort, wo Ökologie, Ökonomie und soziale Aspekte im Gleichgewicht sind, kann Reisen einen positiven Beitrag leisten. „Für uns ist die Zusammenarbeit mit Partnern wie FairAway sehr wichtig, weil so Reisende nach Finnland kommen, die sich bewusst Zeit für das Land nehmen und nicht nur für ein Wochenende einfliegen.“
Und worauf achten sie und Riita bei der Auswahl von Unterkünften und Aktivitäten? „Wir arbeiten ausschließlich mit lokalen Anbietern zusammen und achten darauf, dass sie das nationale Nachhaltigkeitslabel tragen. Dadurch sind Themen wie Mülltrennung oder Energieversorgung automatisch berücksichtigt. Außerdem ermöglichen wir längere Arbeitsverträge, damit die Menschen nicht nur während der Hauptsaison beschäftigt sind.“ Warum das wichtig ist, zeigt sich besonders in den dünn besiedelten Regionen Finnlands. Ganzjähriger Tourismus trägt dazu bei, dass Menschen dort leben und arbeiten können. „Viele bieten zum Beispiel kulinarische Erlebnisse an und können ihren Betrieb dadurch das ganze Jahr über aufrechterhalten“, erklärt Joseann. Außerdem achten sie und Riita auf durchdachte Routen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und bauen, wo möglich, Fahrradtouren ein, um die Umwelt möglichst wenig zu belasten.
Das finnische Jedermannsrecht
Ein gutes Stichwort: die Natur. Sie macht Finnland so besonders und wir möchten wissen, wie sie geschützt wird. „Viele Menschen haben eine enge Verbindung zur Natur und ein starkes Bedürfnis, sie zu bewahren. In Finnland gilt das Jedermannsrecht: Jeder darf sich frei in der Natur bewegen, trägt aber gleichzeitig die Verantwortung, sorgsam mit ihr umzugehen.“ Viele Finnen besitzen ein Mökki, eine traditionelle Blockhütte, verbringen viel Zeit draußen, sammeln Pilze oder bauen Boote und Holzhäuser. „Außerdem haben wir 41 Nationalparks, darunter einige riesige Schutzgebiete. Und mit rund 188.000 Seen spielt auch der Gewässerschutz eine besonders wichtige Rolle, zum Beispiel am Saimaa See. Die Saimaa Ringelrobbe gibt es nur in Finnland. Viele Finnen sehen es als ihre persönliche Verantwortung, dazu beizutragen, dass diese seltene Art erhalten bleibt.“
Entdecke Finnlands schönste Nationalparks
Reiseexpertin mit Natur-Expertise
Und wie sieht Joseann Finnland als Forstwirtin? Ihre Augen leuchten: „Finnland hat die nördlichste funktionierende Landwirtschaft der Welt. Wir legen großen Wert auf regionale Produkte, die vor Ort hergestellt werden. Auch in der Forstwirtschaft verändert sich gerade viel. Wir haben riesige Waldflächen, gleichzeitig war die Papierindustrie über Jahrzehnte ein wichtiger Wirtschaftszweig. Heute setzt man zunehmend auf alternative Formen der Waldnutzung, um die Biodiversität zu fördern. Beerenbestände, die lange zurückgegangen sind, bekommen dadurch wieder eine Chance. Außerdem werden Moore zunehmend wieder vernässt. Das ist eine tolle Entwicklung, die wir natürlich unterstützen wollen.“
Deine Anreise nach Finnland
Dank ihrer Expertise hat Joseann natürlich auch Tipps für alle, die Finnland bereisen möchten. Sie überlegt kurz: „Zuerst einmal geht es darum, wie man nach Finnland kommt. Eine Anreise mit dem Flugzeug muss nicht unbedingt sein. Du kannst zum Beispiel mit dem Nachtzug nach Stockholm fahren und von dort weiter nach Finnland reisen oder die Fähre ab Travemünde nehmen. Dort gibt es sogar eine Sauna an Bord“, schmunzelt sie. „Eine langsame Anreise sorgt außerdem dafür, dass man mit der Seele wirklich ankommt.“ Wenn sich ein Flug nicht vermeiden lässt, empfiehlt sie, länger vor Ort zu bleiben. „Dadurch verteilt sich der CO₂ Ausstoß auf mehr Reisetage und du hast gleichzeitig die Möglichkeit, viel tiefer in die Kultur Finnlands einzutauchen.“
Tipps für Aktivitäten in Finnland
Und was sollte man in Finnland schließlich auf keinen Fall verpassen? Joseann findet: „Natürlich sollte man in die Sauna gehen und in einem unberührten Natursee schwimmen! Außerdem empfehle ich im Frühling, Sommer und Herbst unbedingt eine Radtour zu machen, Beeren und Pilze selbst zu pflücken und zuzubereiten. Im Wald kann man auch den ein oder anderen Mückenstich kriegen, aber das ist es wert!“ Und im Winter? „Definitiv eine Husky Tour machen, Schneeschuhwandern und Polarlichter gucken.“ Und ganz wichtig: „Bring die passende Kleidung mit! Wir schicken dir gerne eine Packliste. Wir wollen keine abgefrorenen Finger, das gibt schlechtes Marketing“, sagt sie lachend. Finnland ist ein wildes Land. Die passende Kleidung gehört deshalb genauso dazu wie die Vorfreude auf Natur, Ruhe und besondere Begegnungen.
Plane deine Reise nach Finnland
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