Freiwilligenarbeit im Ausland kann eine Möglichkeit sein, sich während einer Reise zu engagieren. Gleichzeitig kann sie mit Risiken für die Menschen und Gemeinschaften vor Ort verbunden sein. In diesem Artikel erfährst du, warum wir bestimmte Formen von Freiwilligenarbeit kritisch sehen, welche Aktivitäten wir nicht empfehlen und welche anderen Möglichkeiten es gibt, lokale Organisationen und Anbieter zu unterstützen.

Für wen machst du es eigentlich?

Kurzzeitige Freiwilligenarbeit während einer Reise oder Weltreise wird oft als „Voluntourism“ bezeichnet. Es scheint eine bedeutungsvolle Möglichkeit zu sein, der lokalen Bevölkerung – oft in wirtschaftlich benachteiligten Regionen – etwas zurückzugeben. Gleichzeitig profitierst du selbst davon: Es verspricht eine unvergessliche Erfahrung, bei der du ein Land und seine Kultur aus einer neuen Perspektive kennenlernst. Zudem wirst du mit Dankbarkeit aus der Gemeinschaft überschüttet und bekommst Anerkennung vom eigenen Umfeld. Doch was, wenn Freiwilligenarbeit mehr Schaden anrichtet als Gutes tut? Würdest du es dann immer noch tun?

Als Freiwilliger kannst du in Situationen geraten, in denen du denkst, dass wir als Westler die besseren Lösungen haben oder es in unserer Gesellschaft besser funktioniert. Doch Vorsicht mit dieser Einstellung! Kulturelles Unverständnis und Missverständnisse sind schnell passiert. Es ist wichtig, mit Respekt und Offenheit an neue Erfahrungen heranzugehen, anstatt vorschnell zu urteilen.

Die Gefahren des Voluntourismus

Die Idee klingt schön: etwas zurückgeben und armen Kindern helfen. Doch inzwischen wissen wir, dass Freiwilligenarbeit in Waisenhäusern oft mehr Schaden anrichtet als Gutes. Laut UNICEF haben 80 % der Kinder in Waisenhäusern weltweit mindestens ein lebendes Elternteil. Viele Kindern werden von ihren Familien getrennt, weil zahlreiche Waisenhäuser aus kommerziellen Gründen existieren. Westliche Touristen spenden Zeit und Geld, um vermeintlich elternlosen Kindern zu helfen, doch die Einnahmen landen häufig bei skrupellosen Geschäftsleuten. In manchen Ländern werden Familien sogar gezielt getrennt, um die Nachfrage nach Freiwilligenarbeit zu bedienen. Es gibt einen Grund, warum es in Ländern wie Deutschland keine Waisenhäuser mehr gibt: Pflegefamilien und Familienunterstützung sind nachweislich die besseren Lösungen für Kinder. Warum also sollte dieses veraltete System in anderen Ländern weitergeführt werden?

Was kannst du stattdessen tun?

Unser Rat ist eindeutig: Leiste keine Freiwilligenarbeit mit gefährdeten Kindern im Ausland. Wenn du eine Organisation unterstützen möchtest, informiere dich darüber, wie sie arbeitet und wie Spenden eingesetzt werden. Unsere Reiseexpert:innen können dir bei der Suche nach lokalen Organisationen helfen. Auch bei deinen Reiseausgaben kannst du lokale Anbieter berücksichtigen, zum Beispiel indem du in Homestays übernachtest, Aktivitäten bei lokalen Anbieter:innen buchst oder in lokalen Restaurants isst. So kann ein größerer Teil deiner Reiseausgaben bei Unternehmen und Personen vor Ort verbleiben.

Freiwilligenarbeit mit Tieren

Nachdem klar ist, dass Freiwilligenarbeit mit gefährdeten Kindern problematisch sein kann, liegt es nahe, sich stattdessen für den Schutz bedrohter Tiere einzusetzen. In Costa Rica kannst du zum Beispiel bei Projekten zum Schutz von Meeresschildkröten mitwirken, etwa bei nächtlichen Patrouillen oder beim Schutz der Nester. In Südafrika können Freiwillige beispielsweise bei Monitoring, Datensammlung oder Aufklärungsarbeit unterstützen. Auch bei solchen Angeboten ist es wichtig, genau hinzusehen. FairAway schließt zum Beispiel Aktivitäten wie das Füttern von Löwenbabys oder das Baden von Elefanten aus. Achte bei entsprechenden Projekten darauf, wie der Umgang mit den Tieren gestaltet ist.

Du möchtest bei Tierbegegnungen auf Reisen Tierschutzaspekte berücksichtigen? In unseren Tipps erfährst du, worauf du beim Beobachten von Wildtieren und bei Aktivitäten mit Tieren achten kannst.

Problem: Gratis bezahlte Arbeit

Es gibt viele Arten von Freiwilligenarbeit, für die du deine Zeit und Energie einsetzen kannst, etwa beim Bau oder der Renovierung von Schulen, beim Anlegen von Brunnen oder beim Unterrichten von Computerkenntnissen für Erwachsene. Doch egal, welches Projekt du unterstützt, eines ist entscheidend: Vermeide es, kostenlos die Arbeit von Einheimischen zu übernehmen. Gerade bei Bauprojekten ist es sinnvoller, wenn Organisationen lokale Arbeitskräfte einstellen, statt Touristen oder Freiwillige bauen zu lassen. So können bezahlte Aufträge bei Menschen und Unternehmen vor Ort entstehen. Das Geld, das dein freiwilliger Arbeitseinsatz kostet, zum Beispiel für Unterkunft und Verpflegung, kannst du stattdessen direkt an die Organisation spenden.

Unverbindliche Angebote von lokalen Reiseexperten

 

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