„Möchtest du kurz in diese Schule hineinschauen? Die Kinder freuen sich immer über Besuch von Reisenden!“ Klingt nach einer besonderen Gelegenheit, echte Begegnungen zu erleben, Fotos zu machen und den Alltag vor Ort kennenzulernen. Doch genau in diesem Moment kannst du den größten Unterschied machen. Und zwar indem du einfach „nein“ sagst. Besuche in Waisenhäusern und Schulen wirken harmlos, richten aber oft mehr Schaden an, als dass sie Positives bringen. In diesem Blog erklären wir, warum wir solche Besuche nicht anbieten und warum auch du unterwegs darauf verzichten solltest.
Warum Waisenhaus- und Schulbesuche kritisch sind
Kinder sind keine Attraktion
Ein Besuch in einem Waisenhaus oder einer Schule wirkt auf den ersten Blick bereichernd. Für dich, für deine Kinder und vielleicht auch für die Schüler vor Ort, die Menschen aus anderen Teilen der Welt kennenlernen können. Doch sie sind es in den meisten Fällen nicht. Es gibt ganz klare Schattenseiten bei dieser Art von Aktivität, die man als Reisender nicht sofort erkennt. Wichtig ist, sich Folgendes ins Gedächtnis zu rufen: Kinder sind keine Touristenattraktion. Stell dir vor, in Deutschland würden täglich fremde Besucher in den Unterricht kommen, um Fotos zu machen. Genau das brauchen Kinder nicht. Sondern einen geschützten Raum, um zu lernen, sich zu entwickeln und Freundschaften zu schließen.
Besuche verstärken ungleiche Machtverhältnisse
Bei Besuchen in lokalen Schulen oder Waisenhäusern wird von den Kindern oft erwartet, dass sie etwas „vorführen“, wie das Alphabet aufsagen, ein Lied singen oder ein paar englische Sätze sprechen. Das wirkt vielleicht niedlich, ist aber problematisch. Kinder lernen so, dass sie etwas leisten müssen, um Aufmerksamkeit oder Unterstützung von meist westlichen Reisenden zu bekommen. Das verstärkt alte, koloniale, ungleiche Machtverhältnisse und vermittelt das Bild, dass Außenstehende „Retter“ sind. Dabei sollten Kinder mit Selbstvertrauen und dem Gefühl von Gleichwertigkeit aufwachsen, ohne sich dafür beweisen zu müssen.
Das Geschäftsmodell hinter Waisenhaustourismus
Wusstest du, dass laut UNICEF rund 80 % der Kinder in Waisenhäusern weltweit noch mindestens ein Elternteil haben? Viele dieser Einrichtungen sind ein Geschäftsmodell, um mit Touristen Geld zu verdienen. Kinder werden teils mit falschen Versprechen auf Bildung von ihren Familien getrennt, um als „Waisen“ Spenden von gutmeinenden Reisenden einzubringen. Waisenhaustourismus ist ein Bereich, in dem es kaum Kontrolle gibt. Das bedeutet, dass Fremde relativ leicht Zugang zu vulnerablen Kindern bekommen. Auch wenn du gute Absichten hast, bietet das leider auch Raum für Missbrauch. Wirklicher Schutz beginnt damit, solche Besuche nicht zu unterstützen.
Kinder in Waisenhäusern haben oft bereits traumatische Erfahrungen gemacht, etwa durch die Trennung von ihren Eltern. Wenn dann regelmäßig Reisende vorbeikommen, ihnen Aufmerksamkeit schenken und vielleicht sogar Nähe geben, nur um kurz darauf wieder zu verschwinden, kann das neue emotionale Belastungen auslösen. Kinder erleben immer wieder Abschied und Verlust, was zu Verlustängsten führen und ihre Entwicklung langfristig beeinträchtigen kann.
Was macht FairAway?
Bei FairAway hat der Schutz von Kindern hohe Priorität. Deshalb bieten wir Besuche in Schulen und Waisenhäusern nicht als touristische Aktivitäten auf unseren Reisen an. Außerdem sind wir Mitglied von The Code, einem internationalen Netzwerk, das sich gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Reise- und Tourismussektor einsetzt. Im Rahmen unserer Mitgliedschaft verpflichten wir uns unter anderem zu Maßnahmen zum Schutz von Kindern im Tourismus.
Was kannst du tun?
Auch wenn unsere lokalen Reiseexperten Waisenhaus- oder Schulbesuche nicht in deine Reise einplanen, kann es vor Ort vorkommen, dass dir so etwas angeboten wird. Vielleicht von einem Guide oder einem Hoteleigentümer, der es gut meint (oder dafür Kommission erhält). In diesem Fall bitten wir dich um zwei Dinge:
- Sag freundlich nein. Damit unterstützt du die Nachfrage nach solchen touristischen Besuchen nicht.
- Gib uns Bescheid. Wurde dir ein Besuch in einer Schule oder einem Waisenhaus angeboten oder durchgeführt, melde dich bitte bei deiner lokalen Ansprechperson oder bei unserem Team in Deutschland unter [email protected]. So können wir reagieren und gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort klären, welche weiteren Schritte erforderlich sind.
Verantwortliche Alternativen
Es ist verlockend, das Lächeln eines Kindes aus nächster Nähe zu sehen. Doch beim Besuch von Schulen und anderen Einrichtungen sollte der Schutz der Kinder im Vordergrund stehen. In einigen Reiseländern arbeiten wir mit Organisationen zusammen, die lokale Projekte unterstützen. Wenn bei einer Unterkunft ein Teil der Einnahmen oder ein festgelegter Beitrag an ein solches Projekt fließt, weisen wir darauf entsprechend hin. Möglichkeiten für Begegnungen mit Menschen vor Ort bieten zum Beispiel eine Homestay-Übernachtung, ein Kochkurs bei Einheimischen oder Ausflüge mit lokalen Guides.
Unverbindliche Angebote von lokalen Reiseexperten
