Immer wieder werden wir gefragt, was man auf Reisen für die Kinder, die man unterwegs trifft, mitnehmen kann. Stifte, Süßigkeiten oder doch besser kleine Geschenke? Dieses Engagement schätzen wir sehr. Dennoch lautet die Antwort: Kindern auf Reisen Geschenke zu machen ist ein schwerwiegendes Problem. Hier erklären wir euch, warum das so ist und wie wir sie stattdessen unterstützen können.

Caroline Zimmermann - FairAway Content Creator
Autor: Caro
FairAway Content Creator

Warum wir Kindern helfen wollen

Es ist völlig verständlich, dass du auf Reisen das Bedürfnis verspürst, etwas Gutes zu tun. Du möchtest den Menschen, die deine Reise besonders machen, etwas zurückgeben. Armut ist oft sichtbar: einfache Unterkünfte, Kinder barfuß am Straßenrand. Sobald sie dich sehen, kommen sie lachend auf dich zugerannt, winken und suchen den Kontakt. Ein Moment, der berührt. 

Doch plötzlich verändert sich die Situation. „Candy! Money!“ rufen sie und halten dir ihre Hände entgegen. Weitere Kinder kommen dazu. Du stehst ratlos da und fragst dich, ob du etwas geben solltest oder lieber nicht.

Geschenke sind nicht die Lösung

Wenn du solche Situationen in Frage stellst, bist du bereits auf dem richtigen Weg. Es passiert häufig, dass wir im Glauben Gutes zu tun, genau das Gegenteil bewirken und uns der negativen Auswirkungen unseres Verhaltens nicht bewusst sind. Daher hilft es ganz grundsätzlich, die Dinge in Frage zu stellen und sie von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. In diesem Fall wird dann klar: Indem wir Kindern Süßigkeiten oder andere Dinge schenken, fügen wir leider nur Schaden zu. Im Folgenden erklären wir dir, warum das so ist. 

Übrigens: auch Schul- und Waisenhausbesuche solltest du auf deiner Reise unbedingt unterlassen, wenn du Kinder schützen möchtest anstatt ihnen zu schaden. Hierzu haben wir einen weiteren spannenden Artikel geschrieben, in dem wir das Thema genauer erklären.

Kritik an Schul-und Waisenhausbesuchen

Geschenke fördern das Betteln

Jedes Mal, wenn ein Tourist vorbeikommt, springen die Kinder aufgeregt auf und halten die Hand auf, für Süßigkeiten, Stifte oder kleine Spielsachen. Ist das nicht genug? Dann fordern sie mehr. Durch das Verteilen von Geschenken lernen Kinder, dass Betteln sich lohnt. Je mehr sie bekommen, desto mehr Zeit verbringen sie damit, anstatt in die Schule zu gehen. In extremen Fällen kann es sogar dazu führen, dass Kinder den Unterricht ganz abbrechen. Bei Touristen zu Betteln ist in dem Moment schlichtweg lukrativer. Für eine gute Zukunft jedoch, ist Bildung eindeutig der bessere Weg. 

Aus Geschenken wird ein Geschäft

An Orten, an denen viele Touristen Geschenke verteilen, entsteht oft ein kleiner Schwarzmarkt, auf dem Kinder clever Geld verdienen. Die Kinder bitten freundliche Reisende um Schulstifte oder andere Gegenstände, num sie später an lokale Händler weiterzuverkaufen. Damit verdienen sie sich ein kleines Taschengeld. Auch hier gilt: Die Teilnahme an diesem Geschäft wird der Schule gegenüber oft bevorzugt. Es kommt zu einem Kreislauf, der langfristig einen negativen Einfluss auf die Zukunft dieser Kinder hat.

Die Kinder bekommen schlechte Zähne

In vielen Regionen haben Menschen nur eingeschränkten Zugang zu zahnärztlicher oder medizinischer Versorgung. Werden Kindern regelmäßig zuckerhaltige Snacks geschenkt, kann das langfristig gesundheitliche Folgen haben. Unbehandelte Karies oder schmerzhafte Entzündungen bleiben oft ohne Versorgung und begleiten die Kinder über Jahre. Was als freundliche Geste gedacht ist, kann so unbeabsichtigt Probleme verstärken. Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen und zu überlegen, welche Form der Unterstützung wirklich sinnvoll und nachhaltig ist.

Die Idee, auf Reisen etwas Gutes zu tun und sich ehrenamtlich zu engagieren, klingt wunderbar. Doch leider hat Freiwilligenarbeit mit Kindern oft negative Folgen und schadet langfristig mehr, als sie hilft.  In unseren Blog erfährst du, warum Freiwilligenarbeit nicht immer das Beste für Kinder ist, und was du stattdessen tun kannst.

Freiwilligenarbeit im Ausland

Kindern helfen: Alternativen

Es gibt viele Möglichkeiten, Kindern auf Reisen sinnvoll zu helfen, ohne unbeabsichtigte negative Folgen. Hier sind die wichtigsten, konkreten Tipps: 

  • Übergib Materialien immer direkt an Lehrer, Schulen oder Elternteile, nicht an die Kinder selbst.
  • Frage vorher nach, was aktuell benötigt wird, sodass du wirklich das beisteuerst, was gerade fehlt.
  • Kaufe die Produkte am besten direkt vor Ort, um die lokale Wirtschaft zu unterstützen
  • Ziehe eine langfristige Unterstützung durch Spenden an eine lokale NGO in Betracht, von der du weißt, dass das Geld auch wirklich ankommt.
  • Schenke den Kindern Zeit anstatt Materielles: Spiele mit Ihnen oder bringe Ihnen ein paar Wörter deiner Sprache bei.

Unverbindliche Angebote von lokalen Reiseexperten

 

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