Betty

„Was Reisen für mich so besonders macht? Nicht nur die schönen Orte dieser Welt, sondern vor allem die Menschen, die dort leben und die spannendsten & bewegendsten Geschichten auf Lager haben."

Betty, FairAway Redaktion

Betty Wilde arbeitet als Content Manager bei Fairaway

„Ulrike hat gerade wieder aus dem OP angerufen“ – Sätze wie diese habe ich des Öfteren von meiner Kollegin Andrea gehört, und das hat mich neugierig gemacht: Wer ist diese Ulrike? Fix nachgeforscht stellte sich heraus, dass Ulrike plante, mit uns alleine nach Peru zu reisen. Da gab es einiges zu besprechen, weswegen sie das ein oder andere Mal von ihrem Arbeitsplatz aus durchklingelte, wenn eine schnelle Frage aufkam. Das Geheimnis wäre also geklärt – und als Ulrike dann nach ihrer Reise ein sehr ausführliches Feedback schickte, habe ich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und sie um ein Interview zu ihrem Peru Abenteuer gebeten.


 

Lokale Begegnungen in Peru
Ulrike hat eine besondere Reise mit vielen spannenden Begegnungen erlebt – hier erzählt sie davon!

Lebenstraum Peru

Wieso sie sich überhaupt für Peru entschieden hat, frage ich Ulrike als erstes, und schon sprudelt sie los: „Ganz ehrlich, das war für mich überhaupt keine Frage – Peru war seit Jahrzehnten ein Lebenstraum von mir, vor allem, weil ich unbedingt nach Machu Picchu wollte. Eine Freundin hatte euch empfohlen, und eigentlich wollte ich ja mit meiner Tochter reisen. Aber Covid hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht, sodass ich beschlossen haben das einfach alleine zu machen.“ Ihre erste Solo-Reise? „Ich war in Europa schon oft alleine unterwegs, aber eben noch nie in Südamerika – da hatte ich schon Respekt vor.“ Zwar habe sie durch Spanienurlaube und Sprachkurse ihrer Töchter viel passive Spanischkenntnisse, aber ob das reiche, um alleine den Kontinent zu bereisen?

Alpakas in Peru
Lebenstraum Peru – bestimmt auch wegen der kuscheligen Alpakas!

Reisen ohne Back-up?

„Dazu kamen Sicherheitsbedenken – es ist eben etwas anderes, ob man noch jemanden dabei hat. Aber deswegen fand ich euer Konzept so passend. Dass ich vor Ort immer einen Ansprechpartner habe, falls etwas ist. So war ich unabhängig unterwegs, aber eben nicht alleine-alleine.“ Mit unserer lokalen Ansprechpartnerin Maria war sie über WhatsApp viel in Kontakt und hat sich sehr gut aufgehoben gefühlt. „Der Kontakt war spitze – es gab immer eine Antwort, immer!“ Und sie hat ihren Mut nicht bereut, denn ihr erging es so wie mir bei allen meinen Lateinamerika-Reisen: Sie hat nur positive Erfahrungen gemacht, freundliche, hilfsbereite Menschen kennengelernt und sich immer sicher gefühlt.

Happy Ulrike in Peru
So sieht eine glückliche Alleinreisende aus, oder?

Alleine, aber nie einsam

Ob sie vielleicht Tipps für andere Solo-Reisende hat, frage ich Ulrike. „Was wirklich super ist: Du kommst einfach mit sehr viel mehr Leuten in Kontakt, als wenn du mit jemandem zusammen unterwegs bist!“ Das kann ich nur bestätigen, ich erzähle ihr, wie ich jedes Mal meine Schüchternheit überwinde und Menschen anspreche, weil es eben alternativlos ist. „Genau, und auch auf mich kamen ganz viele Menschen zu. Es war immer ein guter Gesprächseinstieg, denn die Leute sind neugierig: Warum reise ich alleine, wie gefällt es mir, wurde ich ganz oft gefragt, und schon ist man mitten im Gespräch.“ Zum Beispiel mit einem lokalen Guide, der eigentlich mit einem französischen Pärchen unterwegs war. „Ehrlich gesagt habe ich mich die ganze Zeit mit ihm unterhalten“, lacht sie. „Er hat mich gefragt, wie ich in Deutschland lebe, und mir erzählt, wie er lebt.“

Ein weiterer Tipp fürs Alleinreisen ist, sich möglichst gut abzusichern: „Ich habe meine Wertsachen am Körper getragen, hatte immer die Hälfte im Hotel und die Hälfte dabei, und eine Passkopie vorbereitet." Und wie lief es mit dem Spanischen? „Viel besser als gedacht! Die Kommunikation klappte grundsätzlich sehr gut, manchmal auch mit Händen und Füßen (lacht).“

Lokale Guides in Peru
Ulrike und die lokalen Guides hatten sich viel zu erzählen

Hält Machu Picchu, was es verspricht?

Jetzt mal zu Peru an sich: Ich frage Ulrike, ob es ein Erlebnis gibt, was ihr sofort in den Kopf schießt, wenn sie zurückdenkt. Ihre Augen leuchten: „So viele! Es ist das Gesamtkonzept. Besonders ist natürlich Machu Picchu, und der Salkantay Trek, auf 4600 Meter zu gehen, das ist natürlich schon was. Aber auch Arequipa ist richtig schön, und überhaupt, es ist irre, in dieser Höhe in den Anden zu sein! Oder der Colca Canyon, dort bei Familien zu sein, in heißen Quellen am Fluss zu baden, es ist einfach teilweise eine andere Welt. Also wenn du mich fragst, ich möchte gleich wieder da hin!“, lacht sie.

Natürlich interessiert mich auch, ob Machu Picchu ihre Erwartungen erfüllt hat? „Absolut. Es war ein Traum. Wir sind ganz früh los, kamen bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein an und es waren noch nicht viele andere Menschen da. Wir sind dann noch auf den Huayna Picchu gestiegen und hatten perfekte Sicht auf Machu Picchu, kein Nebel, nichts. Das war schon großes Glück.“

Ulrikes Traum: Einmal Machu Picchu sehen
Machu Picchu aus der Vogelperspektive – für Ulrike ging ein Traum in Erfüllung

Mystische Momente in den Anden

Einen magischen Moment gab es schon am Tag davor, auf dem Salkantay Trek: „Auf dem letzten Stück kreuzt der Trek den Inka Trail und wir haben hier mit perfektem Blick auf Machu Picchu gezeltet. Das war gigantisch: Es war ein bisschen nebelig, und als es dunkel wurde, merkten wir: Es ist Vollmond. Die Kombination war einfach unglaublich schön und mystisch, wie die Inka-Stätte erst langsam im Dunkeln verschwand und dann vom Licht des Mondes angestrahlt wurde.“ Was für eine unvergessliche Erfahrung – ich bin ganz hin und weg. „Wir haben uns am nächsten Morgen dann auf den Sonnenaufgang gefreut, aber das war nix – es hatte geregnet in der Nacht und die Sicht war gleich null. Aber so ist das nun mal, du kannst nicht alles haben“, lacht sie. Ein weiteres Highlight auf der Wanderung war übrigens das Essen: „Wir hatten Köche dabei, die uns jeden Tag richtig typisches, leckeres peruanisches Essen gezaubert haben! Das war ein echter Streifzug durch die peruanische Küche, und das mitten in der Natur beim Zelten.“

Lerne die peruanische Küche kennen

Magische Momente beim Camping auf dem Salkantay Trek
Magische Abendstimmung beim Camping im Heiligen Tal

Vom wilden Gewusel Ollantaytambos

„Mal abgesehen von Machu Picchu: Was hat dich in Peru noch begeistert und vielleicht auch überrascht?“, frage ich. Sie überlegt. „Also auf jeden Fall Cusco. Das ist ja so riesig, das hätte ich nicht gedacht! Und Ollantaytambo. Viele reisen hier nur auf dem Weg nach Machu Picchu durch, ich habe aber übernachtet und habe es sehr genossen, abends im Restaurant auf einem der kleinen Balkone zu sitzen und das Treiben auf der Plaza de Armas zu beobachten. Menschen kommen da an und fahren ab, Kinder tollen rum. Irgendwann wurde die Straße gesperrt und Basketball gespielt, das war schön, da zuzuschauen. Überhaupt mochte ich die kleinen Städtchen sehr.“

Reisebericht Peru: Abendstimmung in Ollantaytambo
Perfekter Blick auf die Straßenm Ollantaytambos, die langsam zum abendlichen Leben erwachen

Die Baukunst der Inkas

Wirklich beeindruckt haben sie auch die Maras Terrassen. „Diese Salzterrassen – das ist ja irre. Überhaupt haben mich die Inka-Bauten an sich umgehauen. Auch im Colca Canyon, das ist ja der Wahnsinn, was die an Terrassen angelegt haben, um sich zu versorgen. Wie kann man das gebaut haben, so durchdacht alles, wie was wächst und wie das Wasser fließen muss – unfassbar, oder?!“ Da kann ich ihr nur zustimmen.

Wir kommen auf die Eroberer zu sprechen, die die Inka-Hochkultur beendet haben. Dazu hat Ulrike eine Theorie: „Ich habe mich immer gefragt, warum die Inka-Ruinen alle oben auf einer Höhe wie abgeschnitten wirken, sehr gleichmäßig fehlt hier der obere Teil, während die Terrassen zum Beispiel noch intakt sind. Ich glaube, bei den Häusern haben die Eroberer die Steine abgetragen, um sich unten in den Städten die Kathedralen zu bauen. Mein Guide Eloy in Cusco hat mir das bei der Stadtführung auch erzählt, dass für die Kathedralen Steine der Inka-Städte verwendet wurden. Da hat es Klick gemacht. Die haben die sich wohl einfach genommen.“ Wow, solche Fakten lernt man eben auch nur mit einheimischen Guides – ich wusste das auch noch nicht!

Lerne Eloy kennen – hier geht es zum Interview

Inka Terrassen in Peru
Faszination Inka-Architektur

Begegnungen, die bleiben

Apropos lokale Guides: Ulrike hat die verschiedensten Orte mit ihnen erkundet und war jedes Mal begeistert, egal ob in Cusco, am Colca Canyon oder mit Rosario in Lima. „Ich fand den Austausch toll und es war schön, dass die Guides immer wieder gesagt haben: Danke, dass du als Tourist hier bist und wir mit dem Geld davon weitermachen können, zum Beispiel Ausgrabungen in Cusco finanzieren können. Das geht nur, weil das Geld direkt da reinfließt und nicht in irgendwelchen Kanälen verschwindet.“ So kann Tourismus einen guten Beitrag leisten und einen Unterschied machen.

Gibt es sonst noch Begegnungen, die ihr besonders im Gedächtnis geblieben sind? „Oh ja! Es war schon toll, in den Gastfamilie zu übernachten. Da ist man so nah dran und bekommt einen Einblick in den Alltag der Menschen. Wie zum Beispiel im Colca Canyon. Die Mutter sprach kein Deutsch, es gab kein Internet, da konnte ich kein Translate benutzen (lacht) aber wir sind zu den Quellen gegangen mit ihrer süßen Tochter, und unten hat sie mir dann noch eine andere Familie vorgestellt und erzählt, dass sich in dem Projekt mehrere Familien zusammengetan haben: Einer hat angefangen, andere machen mit, sie treffen Leute aus aller Welt, lernen dabei viel. Sie war übrigens in ihrer traditionellen Tracht unterwegs, hat diese ausgezogen, das Kleid in den Spind gestopft, und stand im Bikini vor mir – da sind wir dann doch alle gleich. (lacht). Sie hat mir dann noch andere Menschen aus dem Dorf vorgestellt und wir hatten einen richtig schönen Nachmittag.“

Gastfamilie in Peru
Peruanische Gastfamilien haben Ulrike stets freundlich aufgenommen

Krisenmanagement mit Herz für hungrige FairReisende

Ich höre da schon viel Begeisterung aus – trotzdem interessiert mich natürlich, ob sie irgendwas anders machen würde. Ulrike überlegt. „Die Fahrt von Puno nach Cusco habe ich am Tag gemacht, das würde ich nicht nochmal machen, sondern lieber über Nacht.“ Apropos Busfahrt: Da fällt Ulrike noch etwas ein. „Weißt du eigentlich, was mir auf der Busfahrt von Cusco in den Dschungel passiert ist? Ich bin über Nacht gefahren, der Bus war wirklich bequem – aber gegen 2 Uhr nachts haben wir plötzlich angehalten. Keiner wusste, was los war. Ich habe mir dann gesagt: Ok, du kannst nur abwarten. Zum Glück hatte ich zwei ganz nette deutsche Mitreisende neben mir, sodass wir uns die Zeit zusammen vertreiben konnten.

Am nächsten Morgen kamen dann Arbeiter mit schweren Geräten, da wurde uns klar, dass es ein Erdrutsch war. Irgendwann ging es dann weiter, aber nur kurz – ein zweiter Erdrutsch versperrte die Straße. Mit einiger Verspätung kamen wir irgendwann am Ziel an. Und ich hatte so einen Hunger, weil ich auf so eine lange Fahrt nicht vorbereitet war und nichts zu essen dabei hatte! Aber das Tolle war, dass ich unterwegs schon mit Maria Kontakt per WhatsApp aufnehmen konnte. Sie hat alles so arrangiert, dass ich vor Ort direkt ein leckeres Essen bekommen habe. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen einfach glücklich machen beim Reisen – und es ist toll, jemanden zu haben, der sich kümmert.“

Mit dem Boot durch den Dschungel Perus
Endlich im Dschungel angekommen – und ab in die Natur!

Der kleine Joel und seine großen Pläne

Apropos Essen, da fällt Ulrike noch etwas ein: „Bei meiner Gastfamilie am Titicacasee hat mich der kleine Joel beeindruckt. Gerade 9 Jahre alt, hat er sich die Schürze umgebunden und ganz überzeugt verkündet, dass er später mal Koch werden will. Warum? Weil er so aufgewachsen ist, dass seine Familie mittags ein Buffet für Touristen vorbereitet und damit ihr Geld verdient. Er hat sofort verstanden, dass er damit mal weiterkommen wird, das hat ihm der Tourismus gezeigt. Und als Koch kann er theoretisch überall auf der Welt arbeiten – vielleicht lässt er sich durch den Kontakt zu Reisenden inspirieren, es ist was sehr Positives, wenn er dadurch über den Tellerrand schaut und vielleicht später auch woanders hingehen kann.“

Lerne die lokale Bevölkerung am Titicacasee kennen

Joel, der Sohn einer Gastfamilie in Peru
Der kleine Joel hat große Pläne

Die Essenz des nachhaltigen Tourismus

Solche Geschichten wie die ihrer Gastfamilien, lokaler Guides oder die Lodge im Dschungel, deren Erlös an ein Projekt für Kinder geht, machen für Ulrike wie für uns einen großen Teil von nachhaltigem Tourismus aus. Sie bringt es in unserem Gespräch auf den Punkt: „Ich finde es toll, dass das Geld an die Einheimischen geht und nicht an jemanden, der auf der Couch sitzt und sagt: Oh toll, wieder 20 Reisende, das klingelt in der Kasse. Sondern es werden Leute vor Ort beschäftigt, die können ihre Familien ernähren. Ich finde Reisen auch für den Austausch sehr wichtig: Du lernst andere Kulturen kennen, du bringst anderen Kulturen deine Kultur näher. Du schaust über den Tellerrand und du bringst gleichzeitig Geld, damit es den lokalen Familien besser geht. Es gibt so viele kleine Stellschrauben, an denen man drehen kann, und Nachhaltigkeit ist auch einfach mehr als Fliegen. Ich schäme mich nicht, in Urlaub zu fliegen, sondern mache lieber im Alltag viel für eine nachhaltigere Welt. Ich konsumiere wenig, fahre mit dem Fahrrad, trinke Wasser aus dem Hahn statt aus Plastikflaschen. So bin ich aufgewachsen, und das lebe ich bis heute.“

Erfahre mehr über nachhaltigen Tourismus in Peru

Gruppe in Peru
Beim Reisen kommen Menschen aus aller Welt zusammen – mehr kultureller Austausch geht nicht!

Hasta luego – bis zur nächsten Reise!

Die Zeit ist rasend schnell vergangen, wir schnacken schon seit anderthalb Stunden und es ist unglaublich, wie viele Geschichten Ulrike aus dem Stehgreif einfallen. Aus dem Interview ist ein sehr spannendes Gespräch geworden, bei dem wir beide unsere Erfahrungen und unsere Begeisterung über Peru und Südamerika austauschen. Als wir uns dann verabschieden, bin ich mir sicher: Das war nicht die letzte Reise von Ulrike nach Lateinamerika – und hoffentlich nicht das letzte Gespräch, das wir über ihre Erlebnisse dort führen.

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